Fruchtbares Tal bei Ribeira Grande auf Santiago, Kapverden – grĂŒne Oasen, Terrassenfelder und traditionelle HĂ€user eingebettet zwischen steilen BerghĂ€nge

Santiago – Die vielfĂ€ltigste Insel der Kapverden

Santiago ist die vielfĂ€ltige Insel der Kapverden. Wir haben die Insel vor allem als Zwischenstopp fĂŒr die Reise auf weitere Inseln genutzt. Aber die Insel hat einiges mehr zu biegen.

Allgemeine Informationen

Santiago ist die grösste und bevölkerungsreichste Insel der Kapverden und gilt als kulturelles sowie wirtschaftliches Zentrum des Archipels. Mit einer FlĂ€che von rund 991 Quadratkilometern und etwa 300’000 Einwohnern beherbergt sie fast die HĂ€lfte der gesamten Bevölkerung des Landes. Die Insel vereint atemberaubende Landschaften, koloniale Geschichte und lebendige kreolische Kultur. Ob Berglandschaften, fruchtbare TĂ€ler oder die pulsierende Hauptstadt Praia – Santiago bietet eine beeindruckende Vielfalt, die Reisende und Entdecker gleichermassen begeistert.

Wie so viele Inseln hat auch die Insel Santiago kein Abfallkonzept. Überall auf der Insel sieht man MĂŒll herumliegen, genauer gesagt fliegen. Der Wind trĂ€gt den MĂŒll, der oft irgendwo hin gekippt werden ĂŒber die ganze Insel verteilt und landen dann im Meer.

SehenswĂŒrdigkeiten

Im Norden der Insel hat es einige wunderschöne StrĂ€nde, sei es zum Baden oder auch zum Surfen. Dennoch wĂŒrde ich Santiago nicht als typische Badeinsel bezeichnen, aber als diejenige, welche am meisten Möglichkeiten bietet.

Wir haben auch auf dieser Insel einige Wanderungen gemacht und waren hierbei nur immer mit einem Guide unterwegs.

Praia

Praia ist die Hauptstadt der Insel Santiago und auch das wirtschaftliche Zentrum der Insel. Auch hier gibt es einen grossen Markt (Sucupira Market) auf dem man neben Lebensmittel auch allerlei aus Fernost kaufen kann. Seien es nun Kleider, Schuhe oder auch Elektronikartikel jeglicher Art. Der Markt ist interessant, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt einen Besuch wert.

Street-Art in Praia auf Santiago, Kapverden – farbenfrohes Wandbild mit lachenden Kindergesichtern und abstrakten Maskenmotiven in einer Seitengasse der Hauptstadt
Street-Art in Praia

Auch in Praia ist die Musik ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Besonders bekannt ist hier das Lokal Quintal da MĂșsica. Es liegt auf dem Plateau und ist deshalb besonders gut zu erreichen.

Blick auf den Hafen von Praia auf Santiago, Kapverden – historische Mole, KĂŒstenbebauung und ruhiges Meer mit Fischerbooten unter blauem Himmel
Blick vom Plateau auf die vorgelagerte Insel

Den PrĂ€sidentenpalast kann man nur von aussen besichtigen, aber man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Von dort aus sieht man auch eine riesige Baustelle auf einer vorgelagerten kĂŒnstlichen Insel. Ziel des Casinosdienstleistungsunternehmens Macau Legend Development Ltd. war es, dort einmal einen Casino-Komplex mit Hotel und Restaurants zu erstellen. Aber gemĂ€ss verschiedenen Quellen wird dieses Projekt aktuell nicht mehr weiterverfolgt, da das Unternehmen seine Verpflichtungen eklatant und wiederholt verletzt hat.

Cidade Velha

Die historische Stadt liegt im SĂŒdosten der Insel. Sie war einst Hauptstadt und sie wurde vom UNESCO-Weltkulturerbe erklĂ€rt, da sie fĂŒr die Entdeckung und Kolonisierung von Amerika, Afrika und dem Nahen Osten wichtig war.

Historische Rua Banana in Cidade Velha auf Santiago, Kapverden – gepflasterte Gasse mit weissen Steinmauern und schattenspendenden BĂ€umen
Rua de Banana, Cidade Velha

Das «Forte Real São Filipe» tront auf dem Berg oberhalb der Stadt. Man kann entweder zu Fuss den Weg machen oder auch mit dem Auto hochfahren.

Eingangsbereich der Festung Forte Real de São Filipe bei Cidade Velha auf Santiago, Kapverden – historische Festungsmauer aus dunklem Vulkangestein mit Wachturm und Torbogen
Eingang zum Forte Real São Filipe
Festung Forte Real de São Filipe oberhalb von Cidade Velha auf Santiago, Kapverden – gut erhaltene Steinmauern aus der Kolonialzeit mit Blick auf den Atlantik

Als wir das Fort besucht haben, waren wir beinahe alleine. Es hatte nur ein anderes Paar und unseren Guide. Wir konnten deshalb die Festung ausgiebig erkunden und die wunderschöne Aussicht geniessen.

Tarrafal

Die Stadt im Norden der Insel hat vor allem wunderschöne StrĂ€nde. Es ist ein typisch touristisch geprĂ€gter Ort. Es hat auch ĂŒberall typisch einheimische Dinge. So gibt es im Ort einige kleinere EinkaufslĂ€den, in welchen man GetrĂ€nke und Lebensmittel kaufen kann.

Besonders schön ist der lange Sandstrand in der Bucht von Tarrafal. Hier verbringen die Einheimischen oft ihre Wochenenden, gehen hier schwimmen und feiern am Strand. Es gibt auch zahlreiche Kneipen mit einem wunderschönen Ausblick auf die Bucht.

Felsige KĂŒste bei Tarrafal auf Santiago, Kapverden – Palmen, HĂ€user und sanfte Wellen im warmen Licht des spĂ€ten Nachmittags am Atlantik
Natürlicher Pool beim Hotel

Konzentrationslager Tarrafal

Das Konzentrationslager wurde von 1936 bis 1956 fĂŒr politische Gefangene genutzt. Zuerst fĂŒr Matrosen, welche gegen das Franco Regime in Spanien waren und spĂ€ter (1962 bis 1974) wurden Gefangene vom afrikanischen Kontinent hier festgehalten. Insgesamt gab es hier etwa mehr als 500 Menschen, die hier inhaftiert wurden. Die Bedingungen waren hart und die Gefangenen wurden gefoltert, isoliert, gedemĂŒtigt und getötet. Nach der Stilllegung im Jahr 1974 wurde das Lager militĂ€risch genutzt, bis es ab dem Jahr 2000 als Museum genutzt wurde.

Eingangsbereich des ehemaligen Konzentrationslagers Tarrafal auf Santiago, Kapverden – gelbe Festungsmauer mit Torbogen und Gedenktafeln vor staubiger Landschaft
Eingang zum Konzentrationslager Tarrafal

Wir haben das Konzentrationslager im Rahmen eines vorgebuchten Ausflugs besucht. Anschliessend an die Besichtigung haben wir eine kurze Wanderung gemacht.

Aussenansicht des ehemaligen Konzentrationslagers Tarrafal auf Santiago, Kapverden – gelbe Mauern, Eingangstor und trockene Landschaft mit Bergkulisse im Hintergrund
Konzentrationslager Tarrafal von oben
nnenhof des ehemaligen Konzentrationslagers Tarrafal auf Santiago, Kapverden – gelb gestrichene GebĂ€ude, Kopfsteinpflaster und kahle BĂ€ume als stilles Mahnmal der Geschichte
Innenhof des Konzentrationslagers Tarrafal

Unser Wander-Guide Orlando fĂŒhrte uns durchs Konzentrationslager und hat uns die wichtigsten Eckpunkte des Lagers und der Geschichte erlĂ€utert. Dieses Lager lĂ€sst sich sicherlich mit den Lagern in Polen und Deutschland vergleichen, aber auch hier sind wirklich schreckliche Dinge passiert.

Wanderungen

Die Insel eignet sich ebenfalls fĂŒr Wanderungen. Mir haben die Wanderungen, die wir auf San AntĂŁo gemacht haben, etwas besser gefallen, weil ich die Aussicht von den jeweiligen Wanderungen schöner gefunden habe. Hat man jedoch nicht so viel Zeit, so lĂ€sst sich auf dieser Insel vieles erkunden und entdecken.

Wir haben die Wanderungen ĂŒber unser ReisebĂŒro gebucht. Aus meiner Sicht könnte man diese auch gut alleine machen, d. h. ohne Wanderguide. Zumal unser Guide (Orlando) immer mal wieder eine andere Route als vorgeschlagen hat, als ursprĂŒnglich gebucht war. Dies vor allem, damit er seine eigenen «Angelegenheiten» sie Milch oder Tabak kaufen, erledigen konnte. Das wurde uns natĂŒrlich erst im Nachhinein klar. Wir wĂŒrden im Nachhinein, unabhĂ€ngig von der BegrĂŒndung, wohl auf der gebuchten Variante bestehen.

Wanderung zum grössten Baum der Kapverden

FĂŒr die erste Wanderung auf dieser Insel wurden wir vor unserem Hotel abgeholt. Zuerst haben wir das Konzentrationslager besucht und sind dann mehr oder weniger in die Mitte der Insel gefahren. Von dort aus fĂŒhrte die Wanderung zum grössten Baum der Kapverden. Die Wanderung ist relativ einfach und eher unspektakulĂ€r.

Wanderroute zum grössten Baum der Kapverden bei Assomada auf Santiago – 4 km langer Weg mit Karte, Höhenprofil und Startpunkt in Santa Catarina
Wanderung zum grĂ¶ĂŸten Baum der Kapverden: Vom Zentrum Assomadas fĂŒhrt ein etwa 4 km langer, leichter Weg.

Nach der Wanderung ging es dann weiter zum Markt in Assomada. Hier gibt es viele zu kaufen und zu bestaunen wie ganz ĂŒbliche MarktgegenstĂ€nde. Aber auch einen Ziegenkopf konnte man hier neben GemĂŒsen und exotischen FrĂŒchten kaufen. Anschliessend an den Besuch des Marktes gingen wir noch Essen und wie ĂŒblich gab es Reis und Fisch mit GemĂŒse oder Pommes Frites.

Grösster Baum der Kapverden bei Assomada auf Santiago – imposanter, alter Baobab mit weit verzweigten Ästen inmitten trockener HĂŒgellandschaft und Picknickbereich
Grösster Baum Kapverden (Baobab)

Von den Bergen zum Meer

Bei der zweiten Wanderung ging es in die Mitte der Insel und von dort aus sollte es dann zurĂŒck ans Meer gehen. Orlando hat uns aber eine andere Route vorgeschlagen, welche schöner sein sollte als die gebuchte. Aus unserer Perspektive war das nicht so, da er an zwei Zwischenstopps persönliche Dinge erledigen musste und somit unsere Wanderung fĂŒr seine Zwecke nutzte. Die gemachte Wanderung war dann ziemlich bald zu Ende. FĂŒr uns war danach klar, dass wir VorschlĂ€gen jeglicher Art zu RoutenĂ€nderungen nicht zustimmen wĂŒrden.

Wanderroute im Parque Natural Serra Malagueta  – 4,2 km langer Abstieg von der Strela Mountain Lodge nach Principal, eingebettet in steiles BerggelĂ€nde
Wanderung im Parque Natural Serra Malagueta
Berglandschaft im Serra Malagueta Nationalpark – steile Felsen, trockene Vegetation und weiter Blick ĂŒber das zentrale Hochland der Insel“
Rau und eindrucksvoll: Die Serra Malagueta im Norden von Santiago zÀhlt zu den landschaftlichen Highlights der Kapverden
WeitlĂ€ufiges Gebirgstal im Serra Malagueta Nationalpark auf Santiago, Kapverden – zerklĂŒftete Felsformationen, kurvige Wanderwege und ein See in der Tiefe
Aussicht am Start erste Wanderung

RibeirrĂ  grande & Rua de banana

Nach dem Aufenthalt auf der Insel Fogo stand hier noch eine letzte gebuchte Wanderung bevor. Wir wurden wiederum in unserem Hotel in der NĂ€he der Hauptstadt Praia abgeholt. Unser Guide war wiederum Orlando. Heute erhielten wir keine VorschlĂ€ge fĂŒr Änderungen der Route. Es ging in das Tal RibeirrĂ  grande.

Wanderroute von Calabaceira nach Cidade Velha – 4,4 km Weg zur historischen Rua Banana in Ribeira Grande de Santiago mit Höhenprofil und Karte
Auf historischen Spuren: Der rund 4,4 km lange Wanderweg fĂŒhrt von Calabaceira zur Rua Banana in Cidade Velha – dem UNESCO-Welterbe und Ă€ltesten Ort der Kapverden

Es ging zuerst irgendwo ins Nirgendwo. Von hier aus startet die Wanderung Richtung Cidade Velha. Der Abstieg ins Tal bzw. zum Fluss ist zu Beginn ziemlich steil, aber danach geht es eigentlich nur noch geradeaus, bis wir schliesslich in der bekannten Rua bananna in Cidade Velha angekommen sind. Der Weg war sehr einfach. Die Flora und Fauna sind sehr beeindruckend. In Cidade Velha haben wir noch zu Mittag gesessen, bevor es dann weiter zur Festung «Forte Real Sao Filipe» ging.

Buckelwale

Die nordatlantischen Buckelwale paaren sich in den Monaten MĂ€rz bis Mai vor den kapverdischen Inseln. Sie bewegen sich in der Regel in KĂŒstennĂ€he und in kleineren Buchten. Wir haben uns im Vorfeld ĂŒberhaupt nicht damit befasst. Ich habe lediglich von den Schildkröten, welche jeweils im November auf den Kapverden schlĂŒpfen, gelesen.

Buckelwal vor der KĂŒste von Tarrafal – WasserfontĂ€ne des MeeressĂ€ugers bei ruhiger See im goldenen Abendlicht ĂŒber dem Atlantik
Buckelwal in der Bucht vor Tarrafal

Als wir am Morgen zum FrĂŒhstĂŒcksbereich des Hotels King Fisher Village gegangen sind, haben wir einen Wal gesehen, der aus dem Wasser sprang. Es war sehr eindrĂŒcklich, diese grossen Tiere zum ersten Mal zu sehen. NatĂŒrlich hatte ich mein Mobile nicht dabei, aber manchmal ist die Erinnerung, die man im Herzen trĂ€gt, die schönste Erinnerung.

Wir haben dann am Abend noch einen Spaziergang zum Strand in der kleinen Bucht unternommen. Auf dem RĂŒckweg haben wir dann auf einmal wieder Wale gesehen. Sie sind jedoch «nur» geschwommen und das ein oder andere Mal aufgetaucht.

Aus meiner Sicht hatten wir grosses GlĂŒck, die Wale zu sichten. Ich werde dieses Erlebnis sicherlich nie mehr vergessen.

UnterkĂŒnfte

King Fischer Village, Tarrafal

Wir haben beim ersten Besuch der Insel im King Fisher Village ĂŒbernachtet. Mir hat es dort ausgezeichnet gefallen. NatĂŒrlich hat sicherlich die Sichtung der Buckelwale damit zu tun, aber ich fand die Zimmer wunderbar sowie die Anlage insgesamt sehr schön gestaltet. Weiter hat mir die Aussicht vom Zimmer sehr gut gefallen: Ausblick auf den Surferstrand. 🙂

Modernes Hotelzimmer – stilvolles Doppelbett mit Moskitonetz, afrikanischen Zierkissen und Handtuchdeko in Form eines Schmetterlings
Zimmer mit Meerblick im King Fisher Village
Surfer in den Wellen vor Tarrafal auf Santiago, Kapverden – Palmen im Vordergrund und sanftes Abendlicht ĂŒber dem Atlantik
Surfer Tarrafal

Pestana TrĂłpico, Praia

Die zweite Unterkunft in der NĂ€he der Hauptstadt Praia hat mir nicht gefallen. Dies, weil das Hotel sehr abgelegen und weil die Anlage eingezĂ€unt war. Das hat ein etwas ungutes GefĂŒhl hinterlassen.

Hotelzimmer - zwei Betten mit farbenfroher afrikanischer Bettdecke, dekorativen Kissen und moderner Ausstattung im landestypischen Stil
Hotelzimmer Pestana Trópico

Tipps

Meine Tipps fĂŒr den Besuch der Insel Santiago:

  • Mache ein paar Wanderungen (auf eigene Faust)
  • Falls du im FrĂŒhling dort bist, dann schaue immer wieder aufs Meer hinaus, um eventuell Wale zu entdecken

Ich wĂŒnsche dir viel VergnĂŒgen auf der vielfĂ€ltigen Insel der Kapverden.

3 Kommentare zu «Santiago – Die vielfĂ€ltigste Insel der Kapverden»

  1. Liebe Anita,

    ihr habe ja einige Wandertouren auf Santiago gemacht, ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass das auf Santiago möglich ist. Wie toll, dass ihr sogar Wale sehen konntet und du hast Recht, manchmal sind die Erinnerungen besser im Herzen aufgehoben als im Foto. Wir verbrachten im November 2018 eine Woche auf Santiago in Tarrafal und haben die Insel mit dem Auto erkundet. Eine unglaublich schöne, grĂŒne Insel, im Vergleich zu Boa Vista so anders. Auf Boa Vista waren wir im Anschluss und ein Jahr spĂ€ter gleich nochmal und haben dort seit Jahren Patenschaften.
    Vielen Dank fĂŒr deinen Einblick

    Liebe GrĂŒĂŸe
    Antonette

    1. Liebe Antonette
      Danke fĂŒr deinen Kommentar.
      Ja, die Kapverden sind wirklich toll.
      Auf Boa Vista war ich leider noch nie, aber Boa Vista und São Nicolau stehen auch noch auf meiner Liste. 🙂
      Liebe GrĂŒsse
      Anita

  2. Pingback: KW17/2025: Alle TCS-Blogartikel - The Content Society

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